Glaubst du, du kannst nichts ändern? Dass Dinge, die dir passieren, schon längst entschieden sind?
Glaubst du, du kannst nichts ändern? Dass Dinge, die dir passieren, schon längst entschieden sind?
Dann hast du dich entschieden, den Weg zu gehen, den du auch in den letzten Jahren gegangen bist oder den andere vor dir schon gegangen sind.
Ich kann diese Entscheidung nachvollziehen. Es ist viel leichter, an einem Weg zu bleiben, den du kennst: Du weißt, was du kannst und was nicht. Du weißt, was dich erwartet, was dich unglücklich oder glücklich macht, wo du dich vor Verletzungen schützen musst und dein Alltag ist risikoärmer.
Aber der Preis für diesen Weg ist hoch. Wenn du ihn gehst, wirst du nicht entdecken können, was wirklich noch in dir steckt. Du wirst Menschen verpassen, die viel besser zu dir passen und dich in deiner Entfaltung begleiten könnten. Du verzichtest auf eine Menge neuer Chancen und Möglichkeiten, die dir Freude bringen können.
Ich bin auch in vielen Dingen den alten Weg gegangen und ertappe mich heute manchmal dabei, wie ich mich in ausgetretenen Pfaden wiederfinde. Woran merke ich es:
- Mein Blick verengt sich auf einmal
- Ich konzentriere mich mehr darauf, was nicht geht oder fehlt
- Ich verschließe mich gegen neue Ideen und Möglichkeiten
- Jede Entscheidung, die den alten Weg gefährdet, zerdenke ich
- Ich bin weniger bewusst darüber, was ich am Tag tue
- Selbstfürsorge gerät in den Hintergrund
- Ich spüre meinen Körper weniger
- Ich bin schneller von zusätzlichen Aufgaben überfordert
Mein Weg
Ich habe mich in den letzten Jahren oft an neuen Wegen versucht. Und obwohl es dabei viele Rückschläge gab und einige Herausforderungen entstanden, habe ich so viel über mich gelernt, wie ich es in den über 30 Jahren davor nicht getan hatte.
Es war jedes Mal wie eine kleine Neugeburt: voller neuer Erkenntnisse, Potenziale und Fähigkeiten, die in mir nur darauf warteten, erkannt und genutzt zu werden.
Einer der Wege, den ich für mich neu schrieb, war meine Mutterschaft. Als mein Sohn 2019 geboren wurde, habe ich zunächst versucht, die neue Rolle nach dem alten Weg zu gehen: nach eigenen und fremden Erwartungen, Erfahrungen, bekanntem Wissen.
Das Ergebnis war, dass ich diese Rolle hasste. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich einengt, mich zurückhält. Mein Sohn war für mich mehr Last als Freude. Und auch wenn es schrecklich klingt – ich kenne viele Mütter, die es ähnlich empfinden oder empfanden, nur darüber nicht sprechen.
Als ich meine Reise zu mir selbst begann, begann ich auch neue Wege zu entwickeln. Ich probierte aus, verwarf vieles, bis ich spürte: Das ist es.
Heute ist es so, dass manche erst nach Monaten mitkriegen, dass ich Mutter bin. Wenn ich ohne ihn bin, kann ich mich vollkommen auf mich konzentrieren. Ich habe auch zuhause eine Zone für mich eingerichtet. Wenn die Tür zu meinem Zimmer zu ist, bedeutet das: Me-Time. Das tue ich, wenn ich innerlich voll bin und wenig hilfreich für ihn wäre. Selbstverständlich hat er dann meist Beschäftigung oder Betreuung – und im Notfall oder wenn etwas dringend ist, darf er rein. Sonst klopft er einfach, und ich komme, wenn ich abgeschlossen habe, was ich gerade tue.
Wenn wir zusammen sind, gibt es Spiele, bei denen ich mitmache und andere, die mir gar nicht liegen.
Wenn ich aber Zeit mit ihm verbringe:
- kann ich mich zu 100% auf ihn konzentrieren und alles andere ausblenden
- Ich kann mich auf ihn einlassen und ihn kennenlernen
- Unsere Kommunikation basiert auf Vertrauen und dem gegenseitigen Respektieren von Grenzen
- Wir erleben viel mehr Nähe
- Wir kommen gut mit den Gefühlen des anderen klar
- Ich werde ihm gegenüber nicht mehr laut, auch wenn ich überfordert bin – ich kommuniziere es einfach klar, und dann weiß er, dass es nichts mit ihm zu tun hat
Das Schöne daran: Dieser Weg ist weiterhin unbeschrieben. Wenn irgendwo etwas nicht klappt oder unsere Beziehung stagniert, kann ich wieder etwas verändern oder auch mal einen ganz anderen Weg gehen.
Willst du in deinem Leben auch etwas verändern?
Dann fang damit an hinzuschauen, wo du immer wieder das Gleiche tust. Du reagierst ähnlich, entscheidest dich für dieselben Dinge oder Menschen – fast wie auf Autopilot. Erkunde das durch Journaling oder eine andere Methode, die dir liegt. Frag dich: Was bringt es dir, wenn alles beim Alten bleibt? Welche Bedürfnisse werden dadurch erfüllt? Wo verschließt du dich vor dem Neuen, und wen ehrst du eigentlich, wenn du diesen Weg weitergehst?
Schreib dann auf, wie dein Leben noch aussehen könnte. Lass alle Begrenzungen für diesen Moment los – wirklich alle. Was wäre möglich, wenn du es dir erlaubst?
Und dann beginne jeden Tag mit einer einzigen Frage: Was kann ich heute anders machen als sonst?
Ab diesem Moment beginnt eine Zeit des Ausprobierens, des Scheiterns und des Erkenntnissammelns. Du wirst innere Blockaden entdecken, die du vorher nicht sehen konntest. Du wirst merken, wann du wieder in alte Muster fällst und mit jedem Mal wirst du es früher bemerken. Deine Gefühle werden intensiver, Konflikte sichtbarer, die du lange unterdrückt hast. Und gleichzeitig: Du wirst mutiger. Du lernst neue Seiten an dir kennen, wirst aufmerksamer, achtsamer, bewusster. Mit jeder Entscheidung kommst du ein Stück näher an dich heran.
Wichtig ist dabei, regelmäßig zu reflektieren und einen Weg zu finden, das Innere sichtbar zu machen. Schreib, such dir jemanden dem du vertraust und teile dich mit oder geh deinen Weg mit professioneller Begleitung. Nutze alles, was dir hilft dranzubleiben, auch wenn es mal herausfordernd ist.
Es lohnt sich.

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