Habe ich etwas Falsches gesagt? Wie werden sie reagieren? Ist es okay, wenn ich xy tue?
Wie oft hältst du dich zurück, weil etwas sich nicht schickt oder unhöflich wäre? Dabei würdest du in deinem Inneren so gerne dich zeigen, mit allem, was du bist. Aber du glaubst, du dürftest es nicht, weil dann würdest du nicht mehr dazugehören.
Beispiel
Ich hatte einmal eine Klientin, die sich einsam fühlte. Sie hatte zu Hause Herausforderungen in ihrer Beziehung, doch wenn sie mit ihren „Freundinnen“ darüber sprechen wollte, wurde sie immer gestoppt und als Miesepeter hingestellt. Da diese auch ihren Mann kannten, wollten sie von den schlimmen Dingen nichts wissen und nur das Schöne sehen. Sonnenschein und Lachen waren okay, alles andere wurde abgelehnt. Während unserer Zusammenarbeit wurde ihr klar, dass sie niemanden hatte, bei dem sie offen sein und ihre Gefühle zeigen durfte. Zuvor glaubte sie, sie würde übertreiben und mit ihr stimme etwas nicht. Also blieb sie stumm, nur um dazuzugehören.
Ich selbst habe auch viele Stunden gebangt, wenn ich mir nicht sicher war, ob ich mich „richtig“ benommen hatte. Ich beobachtete und bewertete jede Reaktion und war ständig im Alarmmodus. Wenn ich dann Kritik erhielt, hatte ich Angst, „verstoßen“ zu werden.
Es fiel mir aber lange nicht auf, wie sehr ich mich um die Gunst anderer bemühte. Es waren Automatismen, so alt, wie ich denken kann. Es war einfach „normal“.
Der Erkenntnis
Seit Februar gehöre ich zu einem neuen Netzwerk, und mein altes Muster meldete sich kurz wieder. Doch diesmal erwischte ich es auf frischer Tat. Das war neu für mich und bereitete mir Freude. Es gibt nichts Schöneres, als wenn der Autopilot nicht mehr greift und ich in solchen Momenten das Bewusstsein habe, all die Reaktionen meiner Gedanken, Gefühle und meines Körpers zu beobachten. In diesem Moment kann ich sie auch nachhaltig verändern.
Doch zurück zu dem Moment, als ich merkte: Da läuft gerade etwas in mir vollkommen schief. Ich spürte, wie wichtig mir dieses Netzwerk war, und dieser Gedanke löste einen Alarm aus – einen Alarm, der mir einredete: Ich bin "zu viel". Mein Gehirn begann Gedanken darüber zu machen, was ich schon gesagt habe, wo ich fordernd war, was nicht gepasst hat...
Durch das bewusste Hinschauen und Hinspüren begannen sich die Gedanken plötzlich zu ändern. Ich erinnerte mich an meine Erkenntnisse aus den letzten Jahren und machte mir klar, dass mich nicht alle mögen werden und können. Ich wurde ruhiger, und dann kam der Satz:
Zugehörigkeit bedeutet, sich daheim zu fühlen.
Wie ist es zu Hause?
Du kannst deine Rollen ablegen, dich gemütlich machen und auch gesellschaftliche Regeln verlassen, wenn du damit niemanden schädigst. Es fördert Sicherheit, Wohlbefinden, Geborgenheit und unterstützt dich beim Regenerieren und dabei, dich zu entfalten. Und ich wusste: Ab jetzt geht es nicht um den Ort, die Gruppe oder die Menschen darin. Das Einzige, was zählt, ist die Antwort auf die Frage: Fühle ich mich wie zu Hause?
Frage an dich
Wo fühlst du dich zu Hause? Welche Menschen oder Orte geben dir das Gefühl, ganz du selbst sein zu dürfen und zu 100 % akzeptiert und angenommen zu werden? Was wärst du bereit dafür zu tun, dich den größten Teil deines Lebens zu Hause zu fühlen?

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