Verändere dein Leben ganzheitlich

  • Gehörst du auch zu den Menschen, die ihr Leben in Lebensbereiche und/oder Rollen aufteilen und diese Bereiche behandeln, als wären sie getrennt?
  • Bist du jemand, der sich selbst aufspaltet und sich in manchen Bereichen nur teilweise zeigt oder im schlimmsten Fall gar nicht?

Oft wird noch über Work-Life-Balance gesprochen. Dies kam in der Zeit auf, als man Privatleben und Beruf noch trennte.

 

Ich gehörte auch zu den Personen, die das taten.

 

Auch wenn es mir privat schlecht ging, zeigte ich in der Arbeit oder in anderen Bereichen nur die sonnigen Seiten meines Lebens. Das Düstere behielt ich für mich. Niemand wusste wirklich, was mit mir los war.

 

Ich habe oft Veränderungen in meinen Lebensbereichen vorgenommen: neue Hobbys, neuer Arbeitsplatz, Umzug, neue Beziehung – als wäre ein einzelner Aspekt an allem schuld.

 

Ersteres hat mich im Laufe der Jahre ausgelaugt, weil es viel Energie kostet, sich zu verstellen. Letzteres hat mir meist nur kurzfristig Erleichterung geschafft, bis sich durch die Veränderung Probleme in anderen Lebensbereichen zeigten. Ich änderte dann immer eines nach dem anderen. Das kostete mich Zeit, Geld und Energie.

 

Work-Life-Integration

Als ich auf LinkedIn dieses Wort las, war ich sofort begeistert, weil es beschrieb, wie ich mein Leben aktuell betrachte.

 

Alles ist eins und beeinflusst sich gegenseitig. Ich kann nicht nur einen Aspekt meines Lebens oder meiner selbst leben und den Rest vernachlässigen. Diese Vernachlässigung schlägt irgendwann genau dort zurück, wo ich es nicht wollte.

 

 

Deshalb gibt es mich nur im Gesamtpaket. Ich achte auf ein ausgewogenes Verhältnis meiner Eigenschaften, Bedürfnisse und Lebensbereiche.

Wie mache ich das?

Erst möchte ich sagen, dass mein Leben recht voll ist: Ich habe einen sechsjährigen Sohn, bin seit eineinhalb Jahren selbstständig als psychosoziale Beraterin und habe aktuell eine Teilzeitstelle in einem Bioladen im Feinkostbereich. Ich bin introvertiert, liebe die Zeit allein, liebe es, kreativ zu sein, aber genauso den tiefen, intensiven Austausch und das Tanzen. Ich lerne sehr gerne etwas Neues und fordere mich damit heraus. Meine Wohnsituation: Unserem Kind zuliebe und wegen finanzieller Sicherheit wohne ich mit meinem Ex zusammen und habe ein kleines Zimmer, das nur mir gehört.

 

Ich lebe also verschiedene Rollen: Mama, Beraterin, Trainerin, Unternehmerin, Fahrgästin im Bus, Feinkostmitarbeiterin, Servicekraft (in unserem Laden bieten wir Frühstück und Mittagessen an), Teil des Elternrats in der Schule meines Sohnes, Hausfrau, Künstlerin und mehr.

 

Dann habe ich wie alle Mitmenschen verschiedene Lebensbereiche: Finanzen, Beruf, Beziehungen, Familie, Freizeit, persönliches Wachstum und so weiter.

 

Um eine gute Mischung aus allem zu erhalten, ist es wichtig, überall klar zu kommunizieren, wie ich zu den Dingen stehe. Das ermöglicht meinem Gegenüber zu entscheiden, ob er oder sie wirklich mit mir zu tun haben will. Das war ein großes Thema bei der Teilzeitstelle. Ich habe lange gesucht, bis ich einen Ort fand, der genau zu mir passt. Netzwerken war auch nicht leicht, aber seit Jänner habe ich auch dort meinen Platz gefunden. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die Klarheit darüber, was ich brauche und was mir wichtig ist, und dessen klare Kommunikation mit Worten und Taten.

 

Auf der anderen Seite bedeutet es auch, meine Zeit überall bewusst mit mir und meinen Bedürfnissen in den gebotenen Rahmen zu füllen.

Beispiele

Im Bioladen:

  • Ich frage nach neuen Aufgaben, wenn ich etwas lernen will.
  • Ich suche kreative Möglichkeiten, die Abläufe angenehmer und leichter zu gestalten.
  • Als Introvertierte bin ich auch oft still und mache meine Arbeit.
  • Für intensiven Austausch nutze ich die aktive Beratungsmöglichkeit mit den Kundinnen und Kunden, wo ich dann meist auch etwas über ihre Vorlieben und ihr Leben oder ihre Arbeit erfahre. Und wenn die Zeit für ein paar Minuten erlaubt, zu fragen, wie es den Kolleginnen wirklich geht.

 

Als Mama:

  • Ich sage meinem Sohn, wenn ich an dem Tag Zeit für mich brauche. Ich erkläre ihm zum Beispiel, dass ich müde bin und heute deshalb nicht so viel rede oder mich intensiv mit ihm beschäftige. Wenn es nötig ist, ziehe ich mich kurz zurück. Wichtig ist, dass er weiß, es hat nichts mit ihm zu tun.
  • Er ist mir auch ein Motivator, neue Sachen auszuprobieren. Ich habe letztens für ihn eine 30 cm lange Gitarre gehäkelt. Jetzt stricke ich Filzpuschen. Aber ich habe auch schon das Harzgießen ausprobiert oder mit lufttrocknendem Ton gearbeitet. Meine Kreativität wird beflügelt.
  • Intensiver Austausch ist mit ihm auch möglich, weil er sich über viele Dinge interessiert und oft tolle Fragen hat.
  • Ich achte auf eine gute Mischung von Nähe und Distanz. An den Tagen, an denen ich weiß, dass ich viel mit ihm sein werde, bin ich auch viel allein. Er kuschelt gern, und ich kann ihm das nur bieten, wenn ich selbst genug Raum für mich hatte. Wenn ich den Raum nicht hatte, greife ich Punkt eins auf und nehme ihn mir.

Als Beraterin:

  • Ich arbeite sehr gerne mit kreativen Methoden.
  • Ich sehe eine Beratung als Zusammenarbeit. Wir bringen uns beide ein: ich mit meinen Methoden, Ideen, Fragen und der Resonanz, die in mir entsteht. Mein Gegenüber mit seinem Thema, seinen Erfahrungen, Möglichkeiten, Potenzialen und Herausforderungen. Daraus entsteht ein toller Zusammenspiel.
  • Dieses Jahr werde ich mehr Workshops in Salzburg anbieten, und es gilt auch für mich. Ich bringe mich ein und arbeite genauso mit wie die Teilnehmerinnen.
  • In diesem Bereich lerne ich immer wieder etwas Neues und probiere alles zuerst an mir aus.
  • Ich arbeite auch viel an mir, wenn ich allein bin.

Die Bereiche sind auch miteinander verbunden:

  • Ich könnte eine eigene Wohnung nehmen, aber dann müsste mein Sohn länger in der Schule bleiben, und ich hätte nicht die Zeit gehabt, meine Selbstständigkeit aufzubauen, so viel zu lernen oder Zeit für mich zu nehmen.
  • Einnahmen und Ausgaben entscheiden darüber, wo und wie viel Zeit und Energie investiert wird.
  • Meine verschiedenen beruflichen Tätigkeiten haben Auswirkungen auf meine Freizeit.

Ich muss sagen, seitdem ich wirklich darauf achte, dass es mir gut geht und ich mein Leben mit allen Aspekten lebe, bin ich entspannter und ziehe auch die passenden Situationen und Menschen an.

Wie funktioniert das?

Vorhin habe ich kurz etwas Wichtiges angeschnitten. Ich brauchte erst Klarheit im Inneren, bevor ich im Außen agieren konnte.

Es bringt also nichts, einfach loszustürmen und zu sagen: So bin ich und so müsst ihr mich nehmen.

Erst einmal ist es wichtig, die Themen, die uns beschäftigen, im Inneren auseinanderzunehmen. Wenn wir dann wissen, worum es wirklich geht, fällt es auch leichter, nach außen zu kommunizieren und konsequent zu bleiben.

 

 

Wenn du also selbst gerade Schwierigkeiten mit einem Lebensbereich oder einer Rolle hast, kannst du dich mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

Worum geht es genau?

  • Wo und wann tritt es auf?
  • Woran merkst du es?
  • Gibt es noch Bereiche, in denen es vielleicht in einer anderen Form auch vorhanden ist?
  • Welche Veränderungen hätten welche Auswirkungen?
  • Wie kann ich damit umgehen?
  • Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung?
  • Welche Möglichkeiten sehe ich aktuell?
  • usw.

Dieser Prozess der Auseinandersetzung kann manchmal dauern. Es kann auch sein, dass du beginnst, etwas zu verändern, und dabei immer wieder in alte Muster landest. Wichtig ist, sich immer wieder damit auseinanderzusetzen und tiefer zu verstehen.

 

Bei mir war das Thema Finanzen und Beruf ein ähnliches Beispiel. Ich dachte, ich müsste im Bereich Beruf ganz viel machen, und gab viel Energie in den Onlineaufbau meines Netzwerks. Ich merkte dabei nicht, dass ich von ganz anderen Themen getrieben wurde, wie Angst, Mangel und alte Muster. Also konzentrierte ich mich darauf, was wirklich dahintersteckt, und habe dann eine Teilzeitstelle gefunden, die mir in vielen Bereichen hilft. Sie schenkt mir nicht nur finanzielle Sicherheit und dadurch mentale Gesundheit. Als Feinkostmitarbeiterin bewege ich mich 16 Stunden in der Woche, was für meinen Körper ein guter Ausgleich neben dem vielen Sitzen ist. Ich bekomme wieder Lust, auch an anderen Tagen mehr Bewegung einzubringen. Und das hat wiederum Auswirkungen auf meine kreative Ader. Ich schreibe viel mehr. Dadurch verändert sich gerade auch mein Berufsweg als psychosoziale Beraterin und formt alles weiter.

Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass wir uns oft auf die „falschen“ Herausforderungen konzentrieren und zu sehr im Tunnelblick denken. Dadurch verschließen wir uns vor Lösungswegen und neuen Möglichkeiten.

Mein Fazit

Alles im Leben ist verbunden. Das gilt nicht nur für andere Menschen und die Natur, sondern auch für unseren eigenen Alltag.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0