Lieber Rückschlag,
vielen lieben Dank, dass es dich gibt und dass du mich immer wieder besuchst. Du zeigst mir auf, wo ich noch unsicher auf den Beinen stehe und noch nicht genau hingeschaut habe:
- Wo mir noch Offenheit fehlt,
- Wenn ich an meinen Fähigkeiten zweifle
- Oder wo ich meine Werte verrate.
Du stehst mir stets zur Seite und forderst mich aufs Neue auf, meine Gedanken zu ordnen, hinzufühlen und unentdeckte Schätze in mir wiederzufinden.
Obwohl unser Zusammentreffen meist schmerzhaft ist und mich an meine Grenzen bringt, möchte ich dich nie aufgeben. Ich weiß, dass ich dich immer wieder brauchen werde.
Danke.
Alles Liebe
Hajnalka
Ich gebe zu, früher habe ich jeden Rückschlag verflucht. Ich war wütend und frustriert, wenn etwas nicht geklappt hat. Ich habe einfach einen Anlauf nach dem anderen genommen, ohne hinzuhören oder darüber nachzudenken.
Ich glaubte, Rückschläge halten mich auf.
Heute sehe ich Rückschläge als Chance, um stabiler und klarer in mir zu werden. Sie helfen uns, unsere Themen zu erkennen und sie neu zu denken. Egal, ob im Beruf oder im privaten Leben – wer Rückschläge richtig nutzt, wird an ihnen wachsen und gedeihen und jedes Mal stabiler, selbstbewusster und klarer daraus hervorgehen.
Was bedeutet Rückschlag?
Online fand ich folgende Erklärung: eine plötzliche Verschlechterung, die nach einer Phase des Vorankommens [unerwartet] eintritt.
Es kann also bedeuten, dass du deinen Tag mit guter Laune beginnst, alles läuft gut, bis etwas Unerwartetes dich wieder in schlechte Laune versetzt.
Genauso kann es schwere Rückschläge in Krankheit, Business oder in einer Beziehung sein.
Eins ist sicher:
Wenn der Rückschlag da ist, merkst du es.
Du kannst ihn nicht vermeiden.
Er kommt immer und immer wieder.
Manchmal wirst du nur schwanken, manchmal wird es dich komplett umreißen.
Was kannst du tun?
Für jeden Menschen bedeutet es etwas anderes. Du hast sicher schon gemerkt, dass manche Situationen locker meistern, wo du einen Rückschlag erleidest. Und es gab schon jemanden in deinem Leben, der meinte, wie gut du mit etwas umgehst – und für dich war das selbstverständlich.
Deshalb ist es wichtig, dass du die Schwere und die Herausforderung dahinter nach deinen eigenen Maßstäben bemisst und nie nach denen von anderen.
Wie immer ist der erste Schritt zuzugeben, wenn du mal wieder mit einem Rückschlag konfrontiert wirst. Es bringt nichts, sich zu belügen und die Situation schöner hinzustellen, als sie ist. Nur wenn du den Ausgangspunkt kennst, kannst du auch weiterkommen. Wenn ich einen Rückschlag erlebe, fühle ich erstmal den Schmerz, die Wut, den Frust oder auch die Trauer – je danach, worum es geht und welche Gefühle damit einhergehen. Dieser Schritt ist unglaublich schwierig, und manchmal brauche ich selbst einige Tage, bis ich es erkenne.
Dann...
Im nächsten Schritt geht es darum, genau hinzuhören. Du kannst mit jemandem darüber sprechen oder darüber schreiben. Diese Fragen können dir helfen:
- Was genau ist passiert?
- Was hat es ausgelöst?
- Seit wann stecke ich in dieser Phase?
- Wie schwer hat es mich erwischt?
- Was hat mir gefehlt, um die Situation locker zu meistern?
- Wo kann ich in der Zukunft mehr auf mich hören?
- Was brauche ich, um jetzt wieder auf die Beine zu kommen?
- Was hilft mir, nächstes Mal an die richtigen Schritte zu denken?
Lass dir bei diesem Schritt wirklich Zeit. Höre immer wieder in dich hinein und schau, ob weitere Fragen aufkommen. Lass dann diese vom Rückschlag selbst beantworten. Führe Dialoge mit ihm oder beginne einen Briefwechsel. In der Beratung gibt es auch eine Menge Möglichkeiten, solche Dialoge zu führen. Mach all das so lange, bis du die Antworten bekommst. Stelle dir selbst auch am Tag immer wieder Fragen:
- Worum geht es?
- Wie kann ich damit umgehen?
- Was kann ich tun?
- Welche Lösungen gibt es?
Geh dann weiter und kümmere dich um deinen Alltag. Die Fragen arbeiten in dir, und es wird der Tag kommen, an dem du deine Antwort weißt. Dann stehst du auf einmal auf und weißt, was zu tun ist.
Und wenn du beginnst zu handeln, wird der nächste Rückschlag kommen, um die nächste Antwort tiefer in dir zu finden.
Bei mir und anderen ist es auch nicht anders. Wie oft habe ich geglaubt, die Antwort zu kennen, alles klar zu sehen, bis ich dann wieder zurückgeworfen wurde und ich mich fragte, warum es nicht klappt? Jetzt weiß ich, dass es geklappt hat und ich bereit für die nächste Schicht bin.
Kleine Stärkung
IWenn du gerade in der Krise durch einen Rückschlag steckst, ist es manchmal schwer, etwas Positives daraus zu gewinnen. In solchen Momenten ist es sinnvoll zu schauen, wo du solche Situationen schon gemeistert hast.
Folgende Fragen können dich unterstützen:
- Welche Rückschläge hast du im Leben gehabt?
- Wo und wie haben sie dich am Ende stärker gemacht?
- Was konntest du über dich, andere und die Welt dabei lernen?
- Wie hast du dieses Wissen verwendet?
- Welche Veränderungen und Umsetzungen fanden erst nach einem Rückschlag statt?
- In welchen Situationen kann dich nichts mehr so einfach von den Beinen fegen?

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