Liebe mal anders

Liebe wird generell als Allheilmittel dargestellt. Du musst nur dich und andere lieben, und dann wird alles gut. Aber was genau bedeutet das? Es gibt verschiedene Ansichten, je nachdem, wen ich frage:

  • Ohne Vergebung geht es nicht.
  • Wo Liebe ist, kann keine Angst sein.
  • Es bedeutet, immer freundlich und friedlich zu sein.
  • Anderen immer helfen.
  • Für manche bedeutet es, sich für andere aufzuopfern.
  • usw.

Was bedeutet Liebe für dich? Was erwartest du von dir und anderen, wenn es um Liebe geht?

Meine Definition

Ich sehe Liebe als eine realistische Haltung gegenüber mir selbst und anderen:

  • Ich treffe die Entscheidungen, die im Moment die besten für alle sind, auch wenn sie schmerzhaft sind.
  • Ich sehe die Welt, wie sie ist: voller Leid wie Freude gleichermaßen. Ich prüfe meine Sicht auch immer wieder aufs Neue und verharre nicht in Bildern von Gestern, sondern schaue in das Heute.
  • Ich empfinde Schmerz, Trauer, Wut, Frust, Angst, genauso wie Freude, Glückseligkeit, Zufriedenheit, Liebe – und diese gegensätzlichen Gefühle auch mal gleichzeitig.
  • Ich erkenne verletzendes Verhalten bei mir oder anderen, reflektiere es und ändere, was in meiner Verantwortung steht.
  • Mir ist klar, dass keiner von uns vollkommen ist.
  • Ich arbeite an mir und meinen Beziehungen täglich.
  • Ich fördere bei mir und anderen Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung.
  • usw.

Was ist Selbstliebe?

Selbstliebe ist ein Teil der Liebe und beschreibt die Art, wie wir uns wahrnehmen und mit uns selbst umgehen. Das bedeutet für mich:

  • Ich übernehme Verantwortung für meine Handlungen (inklusive, wenn ich auf Handlungen verzichte) und deren Konsequenzen.
  • Ich arbeite auf verschiedene Weise regelmäßig an mir.
  • Ich bin im Klaren, wenn etwas nicht gut läuft.
  • Ich bin in jedem Zustand verständnisvoll mit mir.
  • Ich nehme mich ernst.
  • Ich treffe auch schwierige Entscheidungen, die manchmal wehtun.
  • usw.

Aus meinem Leben

Ich hatte lange nicht das Glück, Liebe erfahren zu dürfen. Der Grund war, dass ich mich selbst gehasst habe. Ich war mein schlimmster Albtraum und tat alles, um mir selbst zu schaden. Das war mir nicht bewusst, aber ich kannte nur diese selbstzerstörerischen Muster seit meiner Kindheit.

Um zu lernen, mich zu lieben, musste ich sehr viele Illusionen aufbrechen und viel Schmerz, Trauer und Wut durchfühlen. Ich habe viel reflektiert, hingeschaut und Erkenntnisse aus der Vergangenheit gezogen.

Wie zeige ich es heute?

Selbstliebe:

  • Wenn ich in alte Muster falle, bleibe ich mir gegenüber ruhig und verständnisvoll. Es bringt nichts, wenn ich mich innerlich trete, schlage oder beschimpfe.
  • Ich nehme die Zeit für mich, egal wie turbulent gerade mein Leben ist.
  • Ich erlaube mir alles zu fühlen, auch wenn es gerade nicht einfach ist.
  • Ich bin ehrlich zu mir. Das bedeutet, ich gebe auch zu, wenn ich gerade negativ über mich denke.
  • Ich weiß, was ich an mir nicht okay finde, gleichzeitig kann ich dies auch so stehen lassen und muss nicht alles sofort optimieren.
  • Ich kann mir eine Menge Dinge erlauben, die früher nicht möglich waren. Dazu gehören auch Pausen oder unerledigte To-Dos.
  • Ich habe eine Entscheidung getroffen und den Kontakt zu den Eltern abgebrochen, obwohl ich sie liebe. Es tat mir und meinem Sohn leider psychisch und emotional nicht gut.
  • usw.

Liebe zu den anderen:

  • Ich offenbare, was tatsächlich in mir vorgeht.
  • Ich spreche auch unangenehme Themen an.
  • Ich kommuniziere klar und deutlich, was ich will und brauche.
  • Ich begegne den anderen mit Offenheit, soweit es geht, und stelle keine Erwartungen auf.
  • Wenn ich mir Zeit nehme, dann richtig und mit voller Aufmerksamkeit. Wenn das gerade nicht geht, sage ich das gleich am Anfang.
  • Ich respektiere die Grenzen, die von anderen aufgestellt werden. Wenn sie unausgesprochen sind, spreche ich sie an, um sicherzugehen, dass ich sie richtig verstehe.
  • Ich glaube daran, dass mein Gegenüber sehr viel mehr kann, als es wirklich lebt, und dass noch voller unentdeckter Schätze in ihm stecken.

Mein Fazit

Liebe und Selbstliebe sind alltagstauglich, von jedem erlernbar. Es ist eine Haltung, die wir erwerben und nach der wir unsere Handlungen und Entscheidungen ausrichten.

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