Beziehung ist Alltag.
Du bist 24/7 in Beziehung – beginnend mit dir selbst, mit deinen Mitmenschen. Aber wir Menschen bauen auch Beziehungen zum Geld, zum Beruf, zur Liebe, zur Natur oder zu Objekten auf.
Es ist ein Kreislauf, der sich ständig wiederholt, nur immer wieder auf einer anderen Ebene. Ich habe für mich diesen Kreislauf in 4 Punkten zusammengefasst, die ich immer wieder nacheinander bei mir und auch anderen erlebe.
1. Kenne dich selbst
Du bist unglücklich, frustriert, wütend. Du verzweifelst an verschiedenen Situationen und hast keine Ahnung, wieso. Vielleicht glaubst du, dass es an den anderen liegt. Er oder sie müsste einfach nur mehr zuhören, dir mehr Aufmerksamkeit schenken, sich anders verhalten. Aber egal was das Gegenüber tut, du fühlst dich nur kurze Zeit wieder gut und dann ist alles wieder beim Alten. Umgekehrt kann es sein, dass du alles versuchst, um dein Gegenüber glücklich und zufrieden zu machen. Du probierst vieles aus, bemühst dich wirklich, aber am Ende seid ihr wieder an dem Punkt, wo es nicht läuft.
Wenn du dich gleich oder ähnlich fühlst, hast du dich gerade verlassen. Du agierst nicht mehr von deiner Mitte heraus, bist mit deinen Bedürfnissen und Gefühlen nicht verbunden. Dir fehlt der Überblick über deinen inneren Zustand und du weißt nicht mehr, wo du beginnst und wo andere enden.
Deswegen ist der erste Schritt der Weg zu dir selbst. In der Beratung stelle ich dazu immer eine Frage: Was macht es mit dir? Am Anfang erhalte ich keine Antworten und das ist ok. Meist wird dann wieder erklärt, was der andere macht, wie er sich verhält. Denn die meisten haben verlernt, über sich zu sprechen, den Blick nach innen zu richten.
Du kannst es gerne selbst versuchen. Wenn du etwas hörst, siehst, erlebst, frage dich: Was macht das mit mir? Welche Gedanken huschen durch meinen Kopf? Welche Gefühle tauchen auf? Wie reagiert mein Körper? Welche Wünsche und Sehnsüchte sind präsent?
Fällt es dir leicht, diese Fragen zu beantworten? Kannst du dein Inneres beschreiben? Wenn nicht, dann geht es dir so wie vielen anderen da draußen. Und das ist in Ordnung. Bleib einfach dran. Es erfordert viel Übung und manchmal auch viel Zeit, volle Rückschläge, bis es sitzt. Aber ich verspreche dir: Wenn du dranbleibst und immer wieder zurückkommst, wirst du irgendwann eine innere Gewissheit entwickeln und ein gutes Gespür dafür, wann etwas stimmt oder nicht stimmt. Die Worte werden auch in Zukunft manchmal fehlen, aber du wirst es einfach wissen.
Ich konnte das bis 2020 selbst nur eingeschränkt und ganz selten einsetzen. Es waren meist extrem aufrüttelnde Ereignisse, die mich dazu bewegten. Heute findet bei mir die Selbstbeobachtung oft schon statt, während ich rede oder etwas tue. Z.B. merke ich beim Schreiben, dass ich zu dir spreche und ich fühle deine Gegenwart bei mir. Das überrascht mich, weil ich damit früher Schwierigkeiten hatte und deshalb meine Texte oft in der Ich-Form schrieb. Heute spüre ich die Verbindung und ich freue mich, dass du meinen Text liest, auch wenn es noch nicht stattgefunden hat. Jede Veränderung merke ich spätestens, nachdem sie passiert ist. Ich überrasche mich oft selbst, sehe sofort, wenn ich irgendwo unsicher bin oder die Beziehung zu mir oder anderen hakt.
Lass die Verantwortung dort, wo sie hingehört
Je mehr du dich mit dir auseinandersetzt, desto besser weißt du, wo deine Grenzen sind, was du brauchst, was dich erfüllt und wie du all dies erreichst.
An diesem Punkt liegt es an dir, aufzuhören zu warten, bis von außen die perfekten Bedingungen erfüllt werden, damit du glücklich wirst. Du darfst beginnen zu handeln und dein Leben in die Hand zu nehmen.
Du übernimmst die Verantwortung für deine Gefühle, Gedanken, Entscheidungen und Taten. Du begreifst, dass sich nur dann etwas verändert, wenn du täglich aktiv etwas für dich, für deine Gesundheit, deine Beziehungen tust. Du hörst auf abzuwarten.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Jetzt kommt der zweite schwierige Schritt. Wenn du aktiv wirst und beginnst, dein Leben zu gestalten, kannst du für andere nicht mehr die Verantwortung übernehmen, da du deine Energie selbst brauchst.
Es wird nötig sein zu unterscheiden, wo deine Verantwortung liegt und wo du anderen Dinge abnimmst, in die sie sonst selbst hineingewachsen wären. Im besten Fall beginnst du loszulassen und andere nicht mehr vor allem zu beschützen.
Für mich ist dieser Punkt im Kreislauf immer am heftigsten. Schritte selbst einzuleiten und nicht auf Wunder von außen zu warten, aber auch anderen nicht mehr so viel abzunehmen, sondern sie dazu zu bringen, es selbst zu tun. Gerade bei meinem Sohn merkte ich, wie sehr ich ihn behütete, nur weil ich es selbst nicht einfach hatte. Aber wie soll er dann im Leben wachsen und sich entfalten, wenn ich ihm nicht erlaube, selbst zu erleben und zu lernen?
Er kann nur wirklich gesunde Beziehungen führen, wenn er lernt, das eigene Leben nach seinen aktuellen Möglichkeiten selbst zu gestalten. Deswegen ist es als Mama meine Aufgabe, ihn zu fördern und gleichzeitig regelmäßig zu fordern. Es ist meine Aufgabe, Nein zu sagen, wenn ich weiß, dass er etwas selbst kann. Es ist meine Aufgabe, ihn dabei zu begleiten, die eigenen Stärken zu entdecken – und mit jedem Jahr mich immer mehr zurückzuziehen und ihm in seinem Leben mehr Raum zu geben.
Es ist ein schwieriger Teil und voller Rückschritte. Aber wenn du es wirklich machst, wird dein Leben wie das deiner Liebsten mit der Zeit leichter, weil ihr eure Macht über euch selbst wiederentdeckt.
Sei, wie du bist – und nicht, wie andere dich haben wollen
Wenn du mehr für dich tust statt zu warten und dafür anderen mehr selbst überlässt, wirst du dich gerade am Anfang viel Kritik und Abwehr gegenüber finden.
Du wirst auf einmal klar erkennen, wenn du andere Werte, Haltungen und Sichtweisen hast als dein Gegenüber. Jetzt ist deine Aufgabe, diese Differenzen stehen zu lassen.
Meine wichtigste Erkenntnis hier war, dass ich niemandem gerecht werden kann, nicht mal mir selbst. Weil Erwartungen, egal woher sie stammen, mich nie wirklich spiegeln können.
Mir wurde klar: Egal wie viele Schubladen oder Erklärungen wir als Menschen erschaffen, am Ende passen wir nirgendwo 100% rein. Und wenn wir es versuchen, werden wir nur leiden.
Ich lernte, andere nicht mehr von mir überzeugen zu wollen. Wenn du zum Beispiel meinen Worten nicht glaubst, ist es für mich vollkommen in Ordnung. Du darfst mich auch verurteilen oder als Spinnerin abtun – oder aber ganz begeistert sein. All das ist deine Entscheidung. Ich kann nur ich sein und mich dir zeigen. Was du daraus machst, obliegt immer dir.
Und egal wie du zu mir stehst, werde ich dich dafür nicht verurteilen. Weil es nicht in meiner Verantwortung liegt. Das haben wir ja schon in Punkt zwei gelernt.
Was mir noch wichtig war und was ich mit dir teilen will: Du kannst jemanden mögen oder lieben und gleichzeitig die Taten oder Worte des anderen ablehnen oder nicht gut finden.
Es gibt ein paar Menschen, die mich unterstützen und die ich mag, wo ich aber immer wieder Nein sage, weil ich merke, dass sie zu viel abnehmen möchten, zu viel helfen wollen. Das ist dann für mich nicht mehr stimmig. Mein emotionalsten Beispiel ist meine Beziehung zu meinen Eltern. Ich liebe sie beide, gleichzeitig suche ich keinen Kontakt mehr zu ihnen, weil die Art, wie sie Beziehung führen, was sie sagen oder tun, mir nicht gut tut. Und da ich mich kenne (Punkt 1) und die Verantwortung für meine Energie übernehme (Punkt 2), will ich mich auch nicht in Diskussionen verwickeln lassen, in denen es nur darum geht, den eigenen Standpunkt durchzubringen.
Du kannst also lieben und gleichzeitig Nein sagen – oder auch mal gehen oder gehen lassen.
Wachsen wir gemeinsam
Du kennst dich jetzt wieder besser, bist aktiv dabei, dein Leben zu verändern, und kannst sein und sein lassen.
Es kommt aber noch ein wichtiger Punkt, der auch der Auslöser für einen neuen Kreislauf ist. Wir sind Menschen und beeinflussen uns gegenseitig. Es ist also auch unsere Aufgabe zu schauen, wie wir gemeinsam wachsen können. Du kannst jetzt aus deiner Mitte heraus auf deine Mitmenschen zugehen, offen und lernbereit sein und in deine Beziehungen investieren. Da du dich besser verstehst, kannst du dich auch besser in andere hineinversetzen.
Wenn du wirklich willst, dass dein Leben mit dir und anderen funktioniert, beginnst du hier wirklich Fragen zu stellen. Du willst andere genauso verstehen wie dich. Du achtest mehr auf deine Mitmenschen und beginnst, an gemeinsamen Punkten zu arbeiten.
Du findest mit anderen gemeinsam neue Wege, die für euch beide erfüllend sind, und du lernst auch, Menschen zu verabschieden, wo es nur getrennt möglich ist.
Und all diese Begegnungen, die du bewusst wahrnimmst, formen dich weiter – und du lernst neue Facetten von dir und dem Leben kennen.
Abschluss
Jedes Mal wirst du diesen Kreislauf bewusster durchlaufen und manches wird dir schon bekannt vorkommen. Du wirst erkennen, wann es Zeit ist zu hinterfragen und nach innen zu schauen – und wann es wieder Zeit ist, aktiv zu werden oder auf deine Mitmenschen zuzugehen.
Und wenn du mal wieder aufgeben willst oder glaubst, du steckst fest und kommst nicht weiter, dann denke daran:
Du bist so machtvoll und beeinflusst ständig dein Leben und das Leben deiner Mitmenschen. Es wird Zeit, diese Macht wieder zu spüren und mehr Fülle und Kraft in den Alltag einzubringen.

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