Wie weit hörst du wirklich, was andere dir sagen? Was kommt wirklich in dir an?
Ich habe früher Angst gehabt, verletzt zu werden. Deshalb war ich auf Angriffe immer gewappnet. Obwohl das nach gesundem Selbstschutz klingt, bedeutete es einfach, dass ich nichts wirklich an mich herankommen ließ.
Es konnte mich nichts berühren. Im angenehmen Sinne genauso wie im unangenehmen.
Alles, was mich auch nur ein bisschen zum Nachdenken hätte bringen können, habe ich sofort zerschmettert. Ich hatte tausend Einwände und Gegenargumente und habe alles ausdiskutiert. Mein Verstand blockte alles ab.
Und ja, ich wurde in dieser Zeit wirklich nicht verletzt. Ich ging immer als Erste, wenn mir ein Mensch zu nah kam. Ich wählte meine Umgebung und die Menschen mehr nach rationalen und praktischen Gründen als nach Verbundenheit und anderen Bedürfnissen.
Was ich nicht gemerkt habe: was ich alles verpasst habe. Wenn jemand etwas für mich tut, das mich zu Tränen rührt. Die Erleichterung, wenn ich etwas Belastendes ausgesprochen habe, auch wenn dabei meine Augen sich mit Tränen füllten und ich Angst hatte, was mein Gegenüber sagt. Oder endlich Menschen gehen zu lassen, die mich nicht sahen, weil ich mich endlich gezeigt hatte.
Damit das möglich wird, musste ich erst lernen, mir und anderen zuzuhören. Das bedeutete für mich: aufhören, sofort eine Meinung zu bilden oder eine Antwort parat zu haben. Erst schauen, wie das Gesagte auf mich wirkt. Und erst dann, nach dieser Klarheit, einen Weg einschlagen, der zu mir passt.
Ich weiß, dass Nähe wehtun kann. Aber wenn wir uns schützen, tun wir uns viel mehr weh. Deswegen ist es wichtig, damit anzufangen, uns selbst zuzuhören und unsere Gedanken und Gefühle ernst zu nehmen. Versuche nicht, alles ständig zu relativieren. Suche keine Ausreden und Gründe mehr dafür, warum etwas geht oder nicht geht, obwohl du weißt, dass es so nicht ok ist.
Meine Empfehlung an dich
Beginne, dir ohne Vorurteile zuzuhören. Höre deine Gedanken, beobachte, wo, wann und wie du reagierst. Achte darauf, welche Themen und Wörter dich länger begleiten. Sei einfach für dich da und baue Stück für Stück die Nähe zu dir auf.
Erst wenn du dir zuhören, dich aushalten und dadurch Nähe zu dir aufbauen kannst, kommt der Punkt, an dem du auch im Außen das Gleiche tust.

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